Einweihung der Sieben Fußfälle in Ellenz-Poltersdorf

Zeitgleich – Gleichzeitig – Kreuzwandelweise

Bei strahlendem Sonnenschein und reger Beteiligung der Bevölkerung weihte Pastor Lönarz am Karfreitag den neugeschaffenen Kreuzweg in Ellenz-Poltersdorf ein. Die Sieben Fußfälle führen von der „Alten Kirche" in Ellenz durch die Weinberge zum „Bracher Häuschen", einer Wegkapelle oberhalb von Poltersdorf.

 

Sieben Fußfälle, so bezeichnet man die mittelalterliche Urform des Kreuzwegs, wie sie gerade für das Moselland typisch ist und wie es ihn vor langer Zeit auch in Ellenz-Poltersdorf gab.

Im Mai 2009 gründete sich eine fünfköpfige Projektgruppe, die sich mit Unterstützung der Orts- und Kirchengemeinde entschloss, diese alte Tradition aufzugreifen. Dank vieler Stifter, Spender und Helfer konnte das Vorhaben jetzt in zeitgenössischer Form in die Tat umgesetzt werden.

Die künstlerische Gestaltung der Fußfälle lag in den Händen des Senheimer Bildhauers Christoph Anders. Unter dem Leitgedanken „Zeitgleich – Gleichzeitig – Kreuzwandelweise" hat er in die „Begrenzung" eines aus Cortenstahl gefertigten Kreuzesrahmen (Metallbau Udo Hausmann) sieben ebenfalls kreuzförmige Keramikreliefs eingebunden. Die Plastiken hat der Künstler in aufwendiger Handarbeit aus Terra Sigillata geformt und im offenen Holzfeuer bei 1260°C gebrannt. Durch den Ascheanflug haben die rotbraunen Keramiken einen unverwechselbaren metallischen Schimmer erhalten.

Bei der Einweihungsfeier in der „Alten Kirche" konnte Christoph Anders sein Konzept der Öffentlichkeit erläutern: Er setzt sich in Form mehrerer gleichzeitiger Themen von der jüdischen Thora bis zur Moderne „kreuzwandelweise" mit der Passion Jesu auseinander. Die Formalistik des Werks ist geprägt von einer symbolischen Überhöhung der Gegenständlichkeit. Das „Bild" tritt aus der „Begrenzung" hervor und auch dahinter zurück. Die Darstellung Jesu beschränkt sich bewusst auf die Physiognomie und die Hände. Jede Station zeigt einen veränderten Zustand auf. Symbolhaft ergänzt wird das Leiden Jesu durch sich ebenfalls verändernde Bildnisse eines Netzwerks und eines Weinstocks, der charakteristischen Pflanze der Mosel. Bei jeder Station begegnen dem Betrachter außerdem sieben stählerne Pfeile, die Tötungswerkzeuge des Hl. Sebastians - des „heimlichen" Schutzpatrons von Ellenz-Poltersdorf. Sie stehen für die Marter Jesu, und wandeln sich in der siebten Station zu einer besonderen Krone, anknüpfend an die bekannten Worte des Propheten Jesaja: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen" (Jes. 2, 4).

Im Anschluss an die besinnliche Feier in der „Alten Kirche" führte eine von der Singgruppe Ellenz-Poltersdorf würdig gestaltete Karfreitagsprozession entlang der Sieben Fußfälle durch die Weinberge. Gläubige und Interessierte konnten dabei an jeder der Stationen in Form einer Bildbetrachtung noch mehr über die Botschaft dieses besonderen Kreuzweges erfahren.

Der Kreuzweg will in unserer schnelllebigen Zeit dazu einladen, einmal innezuhalten und Gelegenheit zur Besinnung zu finden. Als Handreichung hat die Projektgruppe ein Faltblatt (Leporello) mit Gedanken und Anregungen zur Interpretation des Kunstwerks herausgegeben. Es liegt in der „Alten Kirche" und im „Bracher Häuschen" zum Mitnehmen aus. Außerdem bietet die Projektgruppe zu jeder der Stationen kleine „Fragmente" (d.h. prägnante Teilstücke der Keramiken) als Andenken zum Kauf an. Damit soll die Bepflanzung und Pflege der Fußfälle finanziert werden.

(Michael Hermes)

Den Leporello der "Sieben Fussfälle" steht ihnen hier zur Verfügung.

Redaktion

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