Ortsgeschichte

Die Doppelgemeinde Ellenz-Poltersdorf liegt umgeben von Weinbergen etwa 10 km oberhalb von Cochem im Herzen des Moslekrampens. Die beiden ehemaligen Reichsdörfer bilden von alters her eine gemeinsame Gemeinde. Einen Kilometer voneinander entfernt, säumen sie eine halbinselartige Landzunge zur Eifel hin, die Johann August Klein - fasziniert von der herrlichen Landschaft - in seinem bekannten Moselführer von 1831 als die schönste vom Rheine bis hierhin beschreibt.

Ellenz wird nach herkömmlicher Ansicht erstmals um 1100 in einem Güterverzeichnis des Stifts Karden erwähnt. die erste urkundliche Erwähnung Poltersdorfs stammt von 1178. Die Besiedelung der Ellenz-Poltersdorfer Gemarkung lässt sich aber anhand der Flurnamen bis in keltische Zeiten zurückführen. Römer und Franken haben nachfolgend ihre Siedlungsspuren hinterlassen. Wahrscheinlich können wir denn auch die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde bereits in einer Schenkungsbestätigung Kaiser Ludwig des Frommen von 814 an die Abtei Stablo-Malmedy erkennen.In dieser wird eine königliche Kirche im Elendesam erwähnt, das man in Fachkreisen mit Ellenz identifiziert. 

So dürfte die auf einer Anhöhe außerhalb des Ortskerns gelegene alte Pfarrkirche St. Martin Elend auf eine königlich merowingische Gründung des 7. Jahrhunderts zurückgehen. Der mächtige romanische Turm wurde um 1200 errichtet, ebenso der bis heute erhaltene Taufstein. Der Filiale Poltersdorf stiftete Carl von Monreal 1308 eine dem hl. Andreas geweihte Kapelle. Der spätromanische Westturm mit seinem spitzbogigen Straßendurchbruch - um 1500 - eingefügt - bildet mit dem benachbarten Adenau-Gymnicher Hof noch heute ein bemerkenswertes Ensemble.

Auf altem fränkischen Krongut (fiscus elendesam) gelegen, blieben die Dörfer Ellenz und Poltersdorf länger als die umliegenden Ortschaften unmittelbar der Königsgewallt unterstellt.Bis ins frühe 14. Jahrhundert hatte die Reichsvogtei Ellenz-Poltersdorf Bestand. Verwaltet wurden die beiden Reichsdörfer zuletzt durch die ortsansässigen Ritter von Ellenz als kaiserliche Vögte und Gutsverwalter (villicus). Ihr altes Burghaus hat sich bis heute im Kern erhalten. 1309 übernahmen die Herren von Braunshorn, die auf der gegenüber gelegenen Burg Beilstein herrschten, die Macht in Ellenz und Poltersdorf. Die Herrschaft der Braunshorner sollte allerdings Episode bleiben. Ihre Erben, die Herrn von Winneburg mussten 1363 auf das Gericht  Ellenz Poltersdorf zugunsten des Erzbischofs und Kurfürsten von Trier verzichten. Gericht und Gemeinde Ellenz-Poltersdorf gehörten danach mehr als vier Jahrhunderte zum kurtrierischen Amt Cochem.

Die selbstbewusste Gemeinde vermochte lange Zeit ihre kaiserlichen Freiheiten zu wahren. Davon zeugen das 1337 erstmals erwähnte Rathaus, das seit 1366 belegte Schöffensiegel der universitatis de ellenze und das Schöffenweistum von 1461. Um 1500 steht Ellenz-Poltersdorf - wie das gesamte Moselland - in höchster Blüte. Überbevölkerung, Klimaverschlechterung und Kriegszüge leiten Ende des 16. Jahrhunderts jedoch eine Zeit allgemeinen Niedergangs und vielfacher Not ein. Bis 1713 ist der Krieg ständiger Gast. In seinem Gefolge bringt er Pest und Elend mit sich, die zu großen Bevölkerungsverlusten führen. Erst langsam tritt im 18. Jahrhundert eine Erholung ein.

Nicht zuletzt wegen des guten Weines, gab es in der Gemarkung bis 1800 eine Vielzahl adliger und geistlicher Grundherrschaften, an die noch heute Weinlagen wie Domherrenberg, Altarberg und Kurfürst erinnern. Der Feudalherrschaft machen erst die französischen Revolutionstruppen ein Ende, die 1794 die linksrheinischen Reichsgebiete besetzen. Ellenz-Poltersdorf wird Teil des Departements Rhin et Moselle (Rhein und Mosel) mit der Hauptstadt Koblenz. Nach der napoleonischen Niederlage gelangt das Moselland 1815 unter preußische Herrschaft und gehörte bis 1945 zur Rheinprovinz. Seit 1946 gehört die Gemeinde zum neugebildeten Land Rheinland-Pfalz.

(Verfasser: Michael Hermes)